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11. Stolperstein in der Gemeinde Schmelz

Am Samstag, dem 7. Mai 2022, wurde im Ortsteil Hüttersdorf der Gemeinde Schmelz ein weiterer Gedenkstein für ein Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Gemeint ist der aus politischen Gründen von den Nazis verfolgte und im KZ Mauthausen in Österreich ermordete Mathias „Matz“ Sinnwell, der 1907 in Hütterdorf geboren wurde.

Auf Initiative des Historischen Vereines Schmelz eV und der Gemeinde Schmelz wurde der Stolperstein von dem weit über die Grenzen hinaus bekannten Aktionskünstler Gunter Demnig angefertigt und auch von diesem eigenhändig verlegt. Gunter Demnig hat die Aktion „Stolpersteine“ vor über 30 Jahren ins Leben gerufen und zwischenzeitlich mehr als 90000 (!) Gedenksteine angefertigt und in 27 Ländern verlegt.

Im Rahmen einer Gedenkstunde am 7. Mai vor dem Haus Nr. 58 in der Bettinger Straße, dem letzten selbstgewählten Wohnsitz von Mathias Sinnwell, wurde der 11. Gedenkstein in der Gemeinde Schmelz in den Boden eingelassen. Gegen 16 Uhr konnte Wolfram Lang, Bürgermeister der Gemeinde Schmelz, dort zahlreiche Gäste begrüßen. Darunter die 1. Beigeordnete der Gemeinde Schmelz und Mitglied des saarländischen Landtages, Frau Sandra Quinten, sowie die Ortsvorsteher von Schmelz und Hüttersdorf, Thomas Lamberti und Bernd Valentin. Neben der 1. Vorsitzenden des Historischen Vereins, Frau Dr. Edith Glansdorp, sowie weiteren Vereinsvorstandsmitgliedern waren zahlreiche Angehörige der Familie Sinnwell anwesend. Dies waren insbesondere Frau Gerlinde Sträßer geb. Sinnwell, Georg Sinnwell und Herbert Dewes als Nichte bzw. Neffen von Mathias „Matz“ Sinnwell.

Die Initiative zu dem Gedenkstein geht ursprünglich auf eine Anregung des Historikers Elmar Schmitt zurück, der im Rahmen von Recherchen für einen Beitrag im Schmelzer Heimatheft Nr. 32, erschienen 2020, über die Hüttersdorfer Familie Sinnwell auch auf die Person von „Matz“ Sinnwell aufmerksam wurde. „Der Hitler hodd dänen geholl“ war die Aussage von älteren Zeitzeugen. Gemeint war, dass M. Sinnwell in einem Nazi-KZ den Tod fand. Elmar Schmitt wollte ursprünglich, dass die Gemeinschaftsschule Schmelz mit der „Stolperstein-AG“ seine Anregung aufnehmen und den Lebens- und Leidensweg von Sinnwell weiter recherchieren würde. Pandemiebedingte Unterrichtsausfälle verhinderten letztendlich eine entsprechende Initiative der Schmelzer Schule. Daraufhin wurde der Historische Verein Schmelz, und insbesondere dessen Vorstandsmitglied Emil Petry, aktiv und nahm sich der Anregung des Vereinskollegen Schmitt an. Glücklicherweise fanden sich im Besitz der vorgenannten Verwandten von Sinnwell einige wichtige Unterlagen und ergänzt durch Informationen aus dem familiären Umfeld sowie umfangreichen Recherchen in einschlägigen Archiven konnte der Lebens- und Leidensweg von Matz Sinnwell nachvollzogen und dargestellt werden. Im Schmelzer Heimatheft Nr. 32 hat Emil Petry unter dem Titel „STOLPERSTEINE - gegen das Vergessen“ nicht nur alle Gedenkstein in Schmelz beschrieben und abgebildet, sondern auch die betreffenden Personen benannt und beschrieben. In diesem Beitrag ist u.a. auch die Lebensgeschichte von Matz S. bis zu seinem Tod am 15.3.1944 in Gusen, einem Außenlager des KZ Mauthausen detailliert dargestellt. Nicht vergessen werden sollte in diesem Zusammenhang auch der jüngere Bruder von Matz, der 1912 geborene Emil S. Beide verband bereits in jungen Jahren eine starke Abneigung gegen den aufkommenden Faschismus im damaligen Saargebiet. Beide verließen, wohl aus Angst um ihre Gesundheit und ihr Leben, das heimatliche Hüttersdorf und emigrierten nach Frankreich. In Südfrankreich fanden sie Unterkunft und auch Arbeit und lernten dort sicherlich zahlreiche Gleichgesinnte kennen. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich und der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Paris wurden die Brüder Sinnwell gemeinsam mit anderen Sozialisten und Kommunisten in Südfrankreich festgenommen und an die deutsche Gestapo ausgeliefert. Während Emil Sinnwell zur Wehrmacht und der Teilnahme am Russlandfeldzug zwangsrekrutiert worden ist und überlebt hat, begann für Matz S. eine mehrjährige KZ-Haft. Zuerst in Dachau und schließlich ab 1942 in Mauthausen bzw. Gusen musste er die Schrecken und Grausamkeiten von Nazi-Schergen erdulden.

Interessierte können weitere Details in dem genannten Heimatheft von 2020 nachlesen, welches bei den üblichen Verkaufsstellen in Schmelz (Filialen der Kreissparkasse und der Volksbank und bei der Postagentur Merten in Hüttersdorf) noch vorrätig ist.

Foto: Gemeinde Schmelz, Text: Emil Petry

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